Die plastische Chirurgie erfordert präzise Techniken und sorgfältige Nachsorge, um optimale funktionelle und ästhetische Ergebnisse zu erzielen. In diesem Prozess spielt der Einsatz von Drainagen eine entscheidende Rolle bei der Vermeidung postoperativer Komplikationen und der Beschleunigung des Heilungsprozesses. In diesem Artikel werde ich detailliert auf die Bedeutung, Anwendungstechniken und Auswirkungen von Drainagen in der plastischen Chirurgie eingehen.
Was sind Drainagen und warum werden sie verwendet?
Drainagen sind medizinische Vorrichtungen, die Flüssigkeiten (Blut, Wundsekret, Lymphe) aus Operationsgebieten ableiten. In der plastischen Chirurgie sind sie besonders wichtig für:
- Verhinderung von Seromen und Hämatomen
- Reduzierung des Infektionsrisikos
- Optimierung der Wundheilung
- Verbesserung der Einheilung von Hauttransplantaten und Lappenplastiken
Besonders bei Eingriffen wie Liposuktion, Abdominoplastik, Brustverkleinerung und Implantatoperationen ist der Drainageneinsatz oft unverzichtbar.
Arten von Drainagen und ihre Eigenschaften
1. Passive Drainagen (Geschlossenes System)
- Funktionieren durch Schwerkraft
- Einfach und kostengünstig
- Beispiel: Penrose-Drainage (flexibles Silikonschlauchsystem)
2. Aktive Drainagen (Vakuumsysteme)
- Arbeiten mit Unterdruck
- Effizientere Flüssigkeitsabsaugung
- Beispiel: Jackson-Pratt-Drainage, Redon-Drainage
3. Semi-aktive Systeme
- Kombinieren Vorteile beider Methoden
- Besonders für größere Wundhöhlen geeignet
Anwendungstechniken und wichtige Aspekte
1. Korrekte Platzierung
- Muss im Bereich der stärksten Flüssigkeitsansammlung liegen
- Sollte ohne übermäßigen Druck auf die Haut fixiert werden
2. Hygiene und Infektionsprophylaxe
- Regelmäßige Desinfektion der Eintrittsstelle
- Kontrolle des Flüssigkeitsvolumens
3. Zeitpunkt der Entfernung
- Üblicherweise bei täglicher Sekretion unter 30-50 ml
- Meist zwischen 2-7 Tagen postoperativ
Vor- und Nachteile von Drainagen
Vorteile:
✔ Deutlich geringeres Serom- und Hämatomrisiko
✔ Komfortablere postoperative Phase
✔ Beschleunigte Wundheilung
Nachteile:
✖ Potenzielles Infektionsrisiko
✖ Eventuelle Beeinträchtigung der Mobilität
✖ Mögliche Narbenbildung an der Austrittsstelle
Patientenbetreuung und Drainagenpflege
Wichtige Hinweise für Patienten:
- Regelmäßiges Entleeren des Auffangbehälters (2-3x täglich)
- Trockene und saubere Wundversorgung
- Vermeidung starker körperlicher Belastung
- Keine vorzeitige Entfernung der Drainage
Der Einsatz von Drainagen in der plastischen Chirurgie ist ein wesentlicher Bestandteil der postoperativen Versorgung. Durch fachgerechte Anwendung und sorgfältige Pflege können Komplikationen minimiert und die Heilung optimiert werden.
Eine gewissenhafte Mitarbeit der Patienten bei der Drainagenpflege trägt wesentlich zum Behandlungserfolg bei.
Dr. Ahmet Kaplan
Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie




